Medjugorjes Botschaft vom dienenden Gott

 

Genau zehn Jahre strömten Menschen aus der ganzen Welt in die Herzegowina nach Medjugorje. Die 'Madonna' rufe dort die Menschheit - so behaupteten seit dem 24. Juni 1981, allen Repressalien zum Trotz, mehrere junge Menschen - zum Frieden und zur Versöhnung auf. Prominente Vertreter der Medizin, die größten Fernsehstationen der Welt und die Presse aller Länder interessierten sich für die Vorgänge. Mit ein Grund war die ungewöhnlich lange Dauer der Erscheinung und die Möglichkeit großzügiger Untersuchungen, Befragungen und Beobachtungen. Das Für und Wider kirchlicher Vertreter änderte daran nichts.

Im Sommer 1991 bekamen die Ereignisse eine neue Dimension. In dem künstlichen Gebilde "Jugoslawien" brach eine hochprivilegierte Militärkaste serbischer Herkunft und kommunistischer Orientierung einen grausamen Krieg gegen die eigene Bevölkerung des Vielvölkerstaates vom Zaun. Hielt sich die Brutalität der Kriegsmaschinerie gegenüber Slowenien im Norden noch in Grenzen, so sie gegenüber Kroatien bald größer, um schließlich in Bosnien gegenüber slawischen Muslimen jeden Hauch von Menschlichkeit über Bord zu werfen.

Die Weltöffentlichkeit wurde Zeuge eines Rückfalls in eine längst überwunden geglaubte Barbarei. Entfesselte Mordlust feierte wahre Orgien. Bomben fielen auf Krankenhäuser, Granaten hagelten auf Altersheime, Panzer gingen gegen Kirchtürme in Stellung, Kulturdenkmäler der ganzen Menschheit wurden zur Zielscheibe verwilderter Militärs, Frauen vor den Augen ihrer Männer vergewaltigt, Kinder in Anwesenheit ihrer Mütter ermordet.

Nicht einmal der Schein zivilisierten Handelns wurde gewahrt. Wohlstandsbürger, Dauergäste an der Sonnenküste Dalmatiens, mussten ohnmächtig zuschauen. Bald wurde deutlich, dass die angeführten nationalen, religiösen Gegensätze nur Vorwand sein konnten. Ein General sprach es schließlich aus. Die nach politischer und geistiger Freiheit rufenden Völker Kroatiens und Bosnien-Herzegowinas hätten an die Pforten der Hölle angeklopft.

"Reich  des Bösen"

Anfang der 80er Jahre hatte der Präsident der Vereinigten Staaten von Nordamerika, Ronald Reagan, die damalige Sowjetunion als "Reich des Bösen" bezeichnet. Nun zeigte sich, dass dieses Reich keineswegs geographisch festgelegt ist. Es hat seine Vertreter auch in den Führungsgremien der westlichen und der südlichen Welt. In den Jahren 1990/91 kam im Kampf um Kuwait am Persischen Golf eine gemeinsame Front gegen den Aggressor aus Bagdad zustande, denn es ging um Öl. Deshalb wurde er in die Schranken gewiesen. Eine beschämende Motivation. Anders gegenüber den militanten Kräften auf dem Balkan.

Eine merkwürdige Koalition wurde sichtbar zwischen kommunistischen Generälen, verwilderten Tschetniks und demokratisch aufgeklärten Politikern in den Vereinigten Staaten und in Westeuropa. Nur Papst Johannes Paul II. protestierte nachhaltig gegen getretene Menschenrechte und forderte die staatliche Anerkennung der geschändeten Nationen.

Der Schlüssel

Der Schlüssel zum tieferen Verständnis der Tragödie aber liegt in Medjugorje, auf halber Strecke zwischen Split und Dubrovnik, 30 Kilometer landeinwärts. Dort eben war im Juni 1981 eine 'Frau' aus der Ewigkeit herausgetreten, um sechs Jugendliche stellvertretend für die ganze Menschheit, zur Umkehr aufzurufen, zur Abkehr von Selbsterlösungsplänen.

Alfons Sarrach, inzwischen einer der bekanntesten katholischen Autoren Deutschlands, als Publizist in den Medien seit Jahren unbeirrter Verfechter christlicher Grundwerte, legt nunmehr aus hochaktuellem Anlass einen zweiten Titel zu Medjugorje vor. Im ersten ("Der prophetische Aufbruch von Medjugorje") wurde der Kern der Aufrufe aus der Herzegowina aufgezeigt. Es ist dies die neue Dimension von Freiheit, Leben und Liebe und die sich daraus ergebende Verantwortung für jeden Menschen. Im vorliegenden Buch "Medjugorjes Botschaft vom dienenden Gott" wird das Gottesbild untersucht, wie es sich in der langen Serie von Erscheinungen und Mitteilungen der 'Madonna' herausgeschält hat. Gottesbilder - oder ihr Fehlen - haben Auswirkungen nicht nur auf Theologie und Philosophie, sie wirken prägend auch auf das Denen einer Gesellschaft und auf die politische Gestaltung.

Die Botschaft

Schon am dritten Tag der Erscheinungen hat die 'Frau aus der Ewigkeit' in einer dramatischen Geste über das Mädchen Marija Pavlovic den Blick der Menschheit auf das 'Mysterium crucis', auf das Geheimnis des Kreuzes gelenkt. Kreuz ist Hingabe bis zur 'Selbstverleugnung'. Deshalb tiefste Versöhnung. In mehreren Einzelbotschaften zeichnete sie die Umrisse eines sich verschenkenden Schöpfers, Gott als 'Diener seiner Kreatur'. Das steht nicht im Gegensatz zu seiner Allmacht. Auch ein Vater leistet Sklavendienste gegenüber seinem hilflosen Kleinkind. Seinem Ansehen tut es keinen Abbruch. Der Himmel erweist sich demnach als eine Welt gegenseitiger Verfügbarkeit, die Hölle als Gier, einander zu beherrschen. Das ist die große Botschaft von Medjugorje an der Schwelle zum dritten Jahrtausend.

Glückliche Voraussetzungen

Der Autor wurde 1927 im damaligen Freistaat Danzig geboren und ist Kind einer deutsch-polnischen Kultur. Das hat sich als glückliche Voraussetzung erwiesen, schwierige Zusammenhänge einer immer komplizierteren Welt zu erspüren und Welten zu verbinden, zwischen denen Abgründe klaffen, was ihm gelegentlich die Anerkennung höchster kirchlicher und gesellschaftlicher Autoritäten eingebracht hat.

Die im jetzt vorgelegten Buch erläuterte "Botschaft vom dienenden Gott" erschüttert die Grundlage eines jahrtausendealten Denkens in den Kategorien von Macht und Herrschaft auf allen Ebenen des menschlichen Daseins. Wie stark sie erstarrte menschliche Verhaltensweisen in Frage stellt, beweisen Bemühungen von verschiedener Seite im Vorfeld der Entstehung des Buches, ihm einen anderen Titel zu geben. Auch von persönlicher Diffamierung wurde nicht zurückgeschreckt. Es geht an den Nerv der menschlichen Tragödie, in der Macht uns zum Verhängnis geworden ist.

Im vorausgegangenen Buch "Der prophetische Aufbruch von Medjugorje" (1991) sollte deutlich gemacht werden, dass es sich bei den Vorgängen in der Herzegowina um ein 'Jahrtausendereignis' handelt. Vorbereitenden Charakter hatte schon der Jesus-Roman "Komm Thomas, leg deine Hand in meine Seite" (1988), der das Kreuz wieder in das Blickfeld des modernen Menschen rücken sollte. Es wurde für viele junge Menschen Anstoß, in einer konsumausgerichteten Welt die Weichen ihres Lebens neu zu stellen.

Geistige Aufbrüche haben es immer schwer, weil sie Lebensgewohnheiten erschüttern und bisweilen gesellschaftliche, aber auch religiöse Verfestigungen in Frage stellen. Davon profitieren heute Strömungen wie New Age. Insofern ist der vorliegende Titel ein Versuch, den Zukunftsbezug der Ereignisse von Medjugorje - und ähnlicher Orte - für die Welt aufzuzeigen und ihnen jede Aufmerksamkeit zu widmen, die sie verdienen.

Die Botschaft aus Medjugorje von 'dienenden Gott' dürfte sich für Christen als Ermutigung herausstellen, durch eine Haltung der Verfügbarkeit gegenüber den Notleidenden der Welt auf allen Ebenen, sich als glaubwürdige Alternative zu einer machtbewussten und darum liebesunfähig gewordenen Welt und ihren Selbsterlösungsprogrammen zu verstehen.

 

 

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