Mitteilungen und Kommentare zu Neuverkündigung und Zukunft
Erscheint im CvM-Verlag GmbH. 36160 Dipperz, Hauptstr. 3, Fax: 06657-6546. Preis: Wird auf Anforderung einmal monatlich kostenlos verandt.
Was will der „Christ von Morgen“? Obwohl von schlichter Aufmachung, gehört er inzwischen nach Meinung kompetenter Stimmen zu den Spitzenprodukten christlicher Publizistik in Deutschland. Er will, dass Sie noch tiefer an die Kraft der christlichen Botschaft glauben, wenn Sie ihn aus der Hand legen. Er will Sie auf neue Entwicklungen aufmerksam machen und Ihnen behilflich sein, historisch sich öffnende Türen zu sehen, neue Möglichkeiten wahrzunehmen und Krisen in der Perspektive dieser Botschaft zu bewältigen.
Rassismus und moderne Bibelkritik
(Auswahl bitte jeweils anklicken!)
(Fortsetzungsserie
„Skandal des Jahrhunderts“)
Es
ist bezeichnend, dass neuerdings die christlichen Hochfeste zum Anlass
genommen werden, Kernwahrheiten des Christentums entweder in Frage zu stellen
oder ihnen eine neue Deutung zu geben, das heisst, sie innerlich auszuhöhlen.
Geschah das früher von außerhalb der Kirche, so geschieht das inzwischen
innerhalb der Kirche. Weihnachten war es in einem Aufsatz in der ehemals
katholischen Zeitschrift GONG Jürgen Fliege (evangelischer Pastor), Ostern
Ludwig Weimer von der Katholischen Integrierten Gemeinde in der katholischen
„Tagespost“. .
In
beiden Fällen geht es darum, die Geschichtlichkeit der Person Jesu oder
wesentliche Ereignisse um die Person Jesu historisch anzuzweifeln. Aus
Geschichte wird Fiktion, aus Wahrnehmung (der Apostel) Illusion. Die „Augen
des Herzens“ werden ins Spiel gebracht. Mit anderen Worten, die Phantasie,
das Wunschdenken, die angeblich den Erlebnissen mit dem Auferstandenen
zugrunde liegen. Hier sollte die gläubige Gemeinde mit dem Aufschrei
reagieren: „Non possumus“ – „Wir können nicht“ (mehr mitmachen).
In
der Fernsehsendung des BR im Herbst mit Kardinal J. Ratzinger sagte der
Heidelberger Theologe Klaus Berger, man könne heute nicht mehr zwischen
evangelischen und katholischen Exegeten unterscheiden. In der Tat, in der
Ablehnung historischer Ereignisse um die Entstehung des Christentums liegen
sie auf der gleichen Linie. Aber aller Glaube basiert auf historischen
Erfahrungen. Mit dem Urknall, mit der Schöpfung also, hat Raum und Zeit
begonnen, mit anderen Worten, die Geschichte. Mit der Auferstehung Jesu wurden
Raum und Zeit außer Kraft gesetzt (er ging durch verschlossene Türen). Der
Anfang vom Ende der Geschichte hat begonnen. Seither leben wir an der
Grenzlinie zwischen Geschichte und Ewigkeit. Niemand ist Zeuge der
Auferstehung gewesen, vom Leichentuch von Turin abgesehen, das sich vielleicht
einmal als der größte Zeuge dieses Ereignisses herausstellen könnte.
Schlüssel
für das Geheimnis
Aber
selbst wenn jemand dabei gewesen wäre, ist es fraglich, ob er es wahrgenommen
hätte, ob es ihm nicht so ergangen wäre wie den zwei Jüngern, die nach
Emmaus pilgerten, denen sich Jesus zugesellte, mit ihnen diskutierte und die
ihn dennoch nicht erkannten. Hier haben wir den Schlüssel für das Geheimnis
der Auferstehung. Die Jünger erkannten ihn erst, als Jesus es wollte, als er
den Zeitpunkt für gekommen sah, dass sie ihn
Universale
Bedeutung erkannt
Natürlich
haben die Jünger Jesu sein Wirken nach der Auferstehung anders gesehen als
vorher. Erst danach waren sie in der Lage, seine Worte, seine Verkündigung,
seine Offenbarung voll zu verstehen. Vor allem die universale Bedeutung dieser
Offenbarung. Der historische, vorösterliche Jesus ist von dem nachösterlichen
nicht zu trennen. Die künstliche Unterscheidung zwischen dem historischen
Jesus und dem sogenannten „Christus des Glaubens“ ist absurd. Bereits vor
der Auferstehung wurde Jesus vor den Augen von drei seiner Jünger auf einem
Berge „verklärt“. Es war in gewisser Hinsicht die Vorwegnahme der
Auferstehung, was manche angelsächsische Exegeten neuerdings dazu veranlasst,
von einer Auferstehung vor der Auferstehung zu sprechen.
Verneinung
des trinitarischen Gottes
Die
Vernebelung oder Verwässerung der Auferstehung als historisches Ereignis
zielt im Grunde auf etwas ganz anderes. Es bleibt in Wahrheit eine
Infragestellung der „Inkarnation“ überhaupt. Geheimnisvolle Menschwerdung
im Schoße Marias und Auferstehung sind zusammen zu sehen. Auch bei der
Inkarnation war niemand dabei. Und selbst Maria, die unmittelbar Betroffene,
musste glauben.
Wer
die Auferstehung bezweifelt, direkt oder indirekt, bezweifelt auch die
Menschwerdung Gottes. Und er verneint letzten Endes den trinitarischen Gott,
der uns ja erst durch die Menschwerdung geoffenbart wurde.
Kein
Wunder, dass deshalb in allen Schriften des Neuen Testamentes das Zeugnis der
Apostel für die Auferstehung immer wieder auftaucht. Es ist der rote Faden,
der ihr ganzes Denken und Wirken durchzieht.
Als
der große Paulus von Tarsus auf dem Areopag in Athen zu den „Denkern“
seiner Zeit sprach, machte er die Auferstehung zum Eckstein seiner Rede –
und ist gescheitert. Es zeigt sich, dass es so nicht nur vor 2.000 Jahren in
Athen war. Es ist bis heute so geblieben.
(Fortsetzung
folgt)
(Fortsetzungsserie
„Skandal des Jahrhunderts“)
In
den kommenden zwei Wochen wird man eines Mannes gedenken, der im 20.
Jahrhundert in der Bibelwissenschaft eine Rolle gespielt hat, für die die
einen voll des Lobes sind, die andere wiederum als außerordentlich verhängnisvoll
betrachten und zwar in allen Konfessionen. Es ist Rudolf Bultmann. Er starb
vor 25 Jahren am 30. Juli 1976 in Marburg.
Wir
haben in unserer Serie keinen Hehl daraus gemacht, dass wir ihn für einen der
Hauptverantwortlichen für den rapiden Glaubensschwund in der zweiten Hälfte
unseres Jahrhunderts halten, jemandem, der das Glaubensgut von innen her zerstört
hat.
Jesus,
der Jude, irritierte sie
Was
immer wieder verdrängt wird ist die Tatsache, dass der Höhepunkt seiner
theologischen Spekulationen mit dem Höhepunkt des Nationalsozialismus
zusammenfällt. Seine Hauptthese (es war nichts anderes als eine ganz persönliche
Meinung) lief darauf hinaus, dass er das Weltbild der Bibel für mythisch
hielt, für das moderne Denken nicht mehr akzeptabel. Er wollte zeitbedingte
Vorstellungen mit dem heutigen Verständnis (das war zu seiner Zeit die Sicht
des Nationalsozialismus) von Welt und Ewigkeit in Einklang bringen. Aber es
war vor allem Jesus, der Jude, der ihn irritierte. Das wagen viele noch heute
nicht auszusprechen. „Christus nach dem Fleisch geht uns nichts an, wie es
im Herzen Jesu ausgesehen hat, weiß ich nicht und will ich nicht wissen“.
Wichtig ist hier das „will ich nicht
wissen“. Nun, Jesus war dem Fleische nach Jude.
Schöpfung
des griechischen Geistes
Auch
Bultmanns Lehrer, Adolf von Harnack (1851-1930), sah in den Evangelien vor
allem eine Schöpfung des griechischen Geistes. Den Semiten, den Juden, sprach
man die Genialität ab, solche Texte zu verfassen. Sowohl Harnack als auch
Bultmann haben in einer Zeit gewirkt, in der der Antisemitismus in
Deutschland, aber auch in Frankreich und zum Teil in Großbritannien, wahre
„intellektuelle“ Orgien gefeiert hat. Sein programmatisches Referat
„Neues Testament und Mythologie. Das Problem der Entmythologisierung der
neutestamentlichen Verkündigung“ hielt Rudolf Bultmann im Jahre 1941, als
die Vision vom germanischen Übermenschen in Deutschland immer brutalere
Formen annahm und Adolf Hitler mit seinen Armeen im Osten die Sowjetunion überfiel,
um bis zum Kaukasus und zum Ural vorzustoßen. Hitler hatte bereits Anfang der
dreißiger Jahre in internen Zirkeln das Alte wie das Neue Testament als „jüdisches
Geschwätz“ abgetan. Die Bibelkritik von Harnack und Bultmann, haben ihre
tiefsten Wurzeln im Antisemitismus, der unterschwellig in jener Zeit auch die
Atmosphäre in der evangelischen und in großen Teilen auch in der
katholischen Kirche beherrschte. Es war übermenschlicher Mut, dass Johannes
Paul II., ein Pole, in dessen Heimat der Antisemitismus ebenfalls eine starke
Tradition hatte, zum Ausklang unseres Jahrhunderts, dieses Tabu gebrochen hat.
Was Bultmann angeht, war der CvM bereits vor zwei Jahren bereit, als einsame
Stimme im deutschsprachigen Raum, der Katze die Schelle umzuhängen.
Bis
zum heutigen Tag destruktiv
Harnack
und Bultmann mögen in Teilbereichen Großes geleistet haben, vor allem was
die antike Literatur angeht, als Ganzes gesehen waren ihre nie bewiesenen
Theorien destruktiv und sind es bis zum heutigen Tag. Wenn sie von manchen
Kommentatoren, vor allem Bultmann, als „Klassiker der Theologie“
bezeichnet werden, so liegen diese Stimmen nicht falsch, denn längst ist
Theologie in der öffentlichen Meinung nicht mehr mit Glauben gleichzusetzen.
Bultmann,
der die Evangelien gut gekannt haben will, meinte, wie es im Herzen Jesu
ausgesehen habe, wisse er nicht. Hätte er die Abschiedsrede Jesu vom letzten
Abend, die der junge Lieblingsjünger Johannes mit genialer Mnemotechnik (Gedächtnistechnik)
festgehalten hat, mit psychologischem Einfühlungsvermögen gelesen, dann wäre
ihm eine Ahnung von dem aufgegangen, was im Herzen Jesu vorgegangen ist.
Theologen
ins Stammbuch geschrieben
„Wie
mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner
Liebe! ...Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit
eure Freude vollkommen wird.“ (J,15,9-11)
Was
im Herzen Jesu vorgeht, erfährt man nicht, am Schreibtisch sitzend und die
Pfeife rauchend (wie Archivfotos Bultmann zeigen), sondern betend und auf den
Knien. Die Sache Jesu ist eine zu ernste Sache, um Gegenstand intellektueller
Erörterungen zu sein. Bereits am Anfang seiner Tätigkeit schrieb Jesus den
Theologen von Jerusalem folgende Mahnung ins Stammbuch:“ Wie könnt ihr zum
Glauben kommen, wenn ihr eure Ehre voneinander empfangt, nicht aber die Ehre
Gottes sucht“ (J5,44) Mit anderen Worten, wer die Anerkennung und die
Ehrungen der Menschen sucht, kann den Glauben nicht finden. Bultmann hat –
wie sein Lehrer Harnack – viele Ehrungen erhalten, den Glauben aber zerstört.
(Fortsetzung
folgt)